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Die Reformation und ihre Auswirkungen


Dr. Martin Luther
(1483-1546)

Mönch, Universitätsprofessor und Prediger an der Wittenberger Stadtkirche

Seit etwa 1514 war Dr. Martin Luther nicht nur Mönch und Universitätsprofessor, sondern auch Prediger an der Wittenberger Stadtkirche. Hier ging es nun nicht mehr um akademische Thesen und Gegenthesen, sondern um das Seelenheil der "Herde". In der Predigt, bei der Abnahme der Beichte, sowie bei der gemeinsamen Feier der Heiligen Messe war es Luthers Aufgabe, den Menschen den richtigen Weg zur Erkenntnis von Gottes Willen zu zeigen. Hier mußte er auch die falschen, diejenigen, die von Gottes Willen wegführen, deutlich machen. Und genau an diesem Punkte kollidierte Luther unversöhnlich mit dem System der katholischen Werkgerechtigkeit in Form des Ablaßwesens.


Johannes (Johann) Tetzel
(1465-1519)

Ablaßprediger der den Stein der Reformation durch marktähnlichen Ablaßhandel ins Rollen brachte

Der Ablaß hatte sich in einem jahrhundertelangen Prozeß im Zusammenhang mit dem Bußsakrament herausgebildet. Der Sünder mußte bereuen, dies durch die Beichte vor dem Priester kundtun, um von diesem die Absolution und eine auferlegte Buße, d.h. Sündenstrafe zu erhalten. Diese Strafe konnte man nun durch eine Ablaßzahlung tilgen.

Im Jahre 1507 rief Papst Julius II. den sogenannte Petersablaß aus, um den 1505 begonnenen Neubau des Petersdoms in Rom fertigstellen zu können.

In den magdeburgischen und brandenburgischen Gebieten nördlich von Wittenberg zog der berüchtigte Dominikaner Johann Tetzel durch die Städte und Dörfer und pries marktschreierisch Ablaß feil.

Mit einer solchen Ablaßvorstellung, wie sie Tetzel verbreitete, wurde Luthers Überzeugung geradezu verhöhnt, daß sich der sündige Mensch ein Leben lang zerknirscht und in Demut Gottes Majestät zu unterwerfen habe. Hier aber wurde den Gläubigen ein bequemer, oberflächlicher und also falscher und Gott beleidigender Weg versprochen. Dem mußte unbedingt Einhalt geboten werden.

Schon gelegentlich hatte sich Luther gegen den Ablaßmißbrauch geäußert. Vor allem in Predigten hatte er wiederholt eingeschärft, daß man Gottes Ehre Abbruch tue, wenn man Ablässe ohne wahrhafte innere Reue und Buße erwirbt.

Am 31. Oktober des Jahres 1517 schlägt der Professor fßr Moralphilosphie, Dr. Martin Luther, seine 95 Thesen wider die päpstliche Ablaßpraxis an die Tür der Schloßkirche in Wittenberg.

Außer an die Bischöfe (Bischof Hieronymus Schulze von Brandenburg und den Erzbischof Albrecht von Magdeburg) hatte Luther die Thesen nur an ganz wenige vertraute Freunde gesandt. Damit jedoch löste er eine Kettenreaktion aus. In Abschriften gelangten die Thesen unter anderem nach Nürnberg, Leipzig und Basel, wo sie noch im Dezember 1517 gedruckt wurden.
Von diesem Zeitpunkt an gilt, was Luther später selbst in die Worte faßte, die Thesen "liefen schier in 14 Tagen durch ganz Deutschland".


Tetzel veröffentlicht Ende April/Anfang Mai 1518 eine Schrift, in der er Luther als in der Tradition WicliEs und Hus' stehenden Ketzer darstellte. Im Sommer 1518 wurde in Rom offiziell der Ketzerprozeß gegen ihn eröffnet.

Die vielfältigen Gegensätze und Interessenunterschiede traten für kurze Zeit zurück hinter die Alternative: für Luther oder gegen Luther. Die mit den Thesen eingeleitete spontane reformatorische Bewegung trieb ihren Urheber, zunächst gegen seinen eigenen Willen, in seinem Kampf gegen Rom immer weiter.

Einen sich ursprünglich an Luthers Ablaßthesen entzündenden Meinungsstreit trugen der Ingolstädter Theologe Johann Eck und Luthers Mitstreiter Andreas Bodenstein in einer öffentlichen Disputation aus. Diese fand vom 27. Juni bis zum 14. Juli 1519 auf der Leipziger Pleißenburg statt.
Als sich die Disputation zwischen Karlstadt und Eck festfuhr, trat Luther auf den Kampfplatz. Eck ging es darum, Luther als Ketzer bloßzustellen. In der Auseinandersetzung um die Autorität des Papstes und der Konzilien bestritt Luther die göttliche Herkunft des Papsttums, erklärte, daß unter den Anschauungen des Jan Hus durchaus gutchristliche gewesen seien und daß auch Konzilien irren können, ja geirrt haben. Daraufhin glaubte Eck, am Ziel zu sein und erklärte Luther zum Ketzer, womit er jedoch nur erreichte, daß die Popularität des Wittenberger Mönchs noch größer wurde. Besonders aus Humanistenkreisen stammende Gelehrte griffen Luthers Ideen begeistert auf.

Er wurde zum bedeutendsten Reformator der abendländisch - christlichen Kirche.

Aus der neu entstandenen religiösen Haltung, dem Protestantismus, gingen weitere neue konfessionelle Richtungen hervor. Mit der "Konfessio Augustana" wurden eine Grundlage des lutherischen Bekenntnisses geschaffen, von den protestantischen Reichsständen übernommen und in Augsburger Religionsfrieden 1555 anerkannt. Vor der juristischen Anerkennung des protestantischen Glaubens kam es zu zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen.


Im Jahr 1555 wurde in 144 Paragraphen das sogenannte "Reichsgrundgesetz" verabschiedet, das diese Konflikte beilegen sollte. Nach dem Spruch "Cujus regio eius religio" bestimmte der Landesherr die Religion seiner Untertanen.

Die Stadt Weissenfels und die angrenzenden Gebiete waren zwar nicht all zu weit von Zentrum dieser neuen Bewegung entfernt, verspürten aber von diesen Reformationsgedanken noch wenig. Weissenfels, das im albertinischen Sachsen lag, wurde durch seinen Landesfürsten jeglicher Reformationsgedanke verboten. Erst der Nachfolger des Herzogs, sein Bruder Heinrich der Fromme (Regierung 1539 - 1541), führte nach dem Tode Georgs im Jahre 1539 die Reformation im sächsischen Herzogtum ein.

Am 3. Juni 1539 wurde die Reformation in der Stadt Weissenfels eingeführt. Gleichzeitig fand die ersten Kirchenvisitation statt.

Visitationen dienen der kirchlichen Aufsicht über das glaubens-, sittens- und ordnungsgemäßes Verhalten der kirchlichen Angehörigen. Außerdem wurde der Zustand der kirchlichen Dinge, Gebäude und Orte geprüft. Dazu wurde meist eine Kommission aus Theologen und Juristen gebildet. Die Protokolle der Visitationen enthalten wertvolle Angaben, die wichtig sind für Kirchen-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte.

Der westliche Teil des Landkreises, das Gebiet um die Stadt Lützen gehörte als Amt zur Merseburger Diözese, so das die Reformation in Lützen später Einzog hielt. Am 29. August 1542 wandte sich der Lützener Rat mit einer Bittschrift um Bestellung eines evangelischen Pfarrers an den Landesherr. Im Amt Lützen begann die Visitation am 15. Mai 1562.

Für die Stadt Lützen notierten die Visitatoren folgendes:

Pfarrer der Stadt war im Jahre 1562 Balthasar Kempf senior aus Schmalkalden.
Der Pfarrer wurde 1547 in Merseburg protestantisch in sein Amt eingeführt.
Der zuständige Diakon (eine Art Gemeindediener) hieß Friedrich Weigelt aus dem Bistum Würzburg.


Besitz der Pfarre:

einige Bibeln
ein "buch, dorinnen von jhar zu jhar verzeichnet getaufte kinder, geehelicht und verstorbenen personen"
verschiedene Tische
ein Pult
ein Kalb
drei Hufen (ca. 21 ha) Land
ein Weidengarten
ein Obstgarten

Das Wohnhaus des Pfarrers wird als baufällig beschrieben. Die Scheune benötigt eine Dachreparatur. Der Schweinestall ist gar nicht mehr zu gebrauchen. An der Kirche müssen notwendige Reparaturen durchgeführt werden. Sie braucht eine neue Orgel.

Bei der Visitation im Jahre 1577 wurden außerdem festgestellt:

"Zechen unter der predigt und sonntags collationem, dadurch die predigt verseumt wirdt, sind gemein."
"Fuhren am sonntage ist gemein, sunderlich den Karnern, wollens abschaffen. rollen soll oft am sonntage in der schwarzfarbe geschehen."
"Die verächter oder verseumer der sonntags- und wochenpredigt, deren haufe gross ist, werden mit keiner straffe belegt."


Eine weitere Visitation erfolgte 1578 bei der immer noch der Pfarrer Balthasar Kempf senior Dienst tat. Er wird als "ein betagter, gelerter, gotfürchtiger man, gesunder reiner lehren und stillen, eingezogenen unergerlichen lebens" beschrieben. Bei den Visitationen wurde auch, die entsprechend der lutherischen Schrift von 1524, eingerichteten Schulen überprüft. Die Lehrerstellen wurden neu besetzt und die Schüler examiniert.

So klagen die Akten:

"über grossen unfleis der jugend, dass sie nicht zum examine des catechismi kommen"


In Norden Deutschlands sowie in mitteldeutschen Raums fasste die Reformation rasch Fuß und breitete sich aus. Gebiete im westlichen und südlichen Teil des deutschen Kaiserreiches blieben noch lange katholisch und wehrten sich gegen reformatorischen Bestrebungen.

Es traten Konflikte zwischen Katholiken und (bekennenden) Protestanten auf. So z. Bsp. 1582 die Kölner Fehde 1593 der Straßburger Kapitelstreit, 1607 die Ereignisse von Donauwörth.
Der Jülisch - Klevische Erbfolgestreit (1609 - 1614) kann als Vorspiel des Dreißigjährigen Krieges angesehen werden.

Die Ursachen dieses Krieges lagen einmal im religiösen Konflikt zwischen der katholischen und protestantischen Seite, zum anderen fürchteten einige europäische Staaten die steigende Macht des Hauses Habsburg.

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